Verkehrssituation vor der Seniorenwohnanlage

Veröffentlicht am 12.11.2008 in Historisches

Ohne Chance

Nachdem das Seniorenzentrum in Bempflingen an der Lindenstraße bzw. an der Straße „Im Dorf“ komplett belegt ist, ist im dortigen Kreuzungsbereich – besonders in den dunklen Abendstunden – zu beobachten, dass alte Menschen, oft Angehörige auf dem Nachhauseweg, z.T. schlecht zu Fuß, kaum eine Chance haben, die Straße zu queren.

Ein Auto folgt dem Anderen

Der Strom der Fahrzeuge reißt nicht ab, es gibt keine ausreichenden Lücken zum Queren. Bereits im September 2007 fand eine sog. Verkehrsschau u.a. mit Verkehrsbehörde und Straßenbauamt / Landratsamt Esslingen statt. Es wurden die für eine Verkehrsfurt bzw. für einen Fußgängerüberweg notwendigen Zahlen zum Anlass genommen, um das Ansinnen der Gemeinde, hier eine Sicherung der Fußgänger zu erreichen, abzulehnen. Die als Voraussetzung geltende Anzahl der Fahrzeuge pro Stunde (200) wurde mit mehr als 500 pro Stunde deutlich überschritten, aber es gab zu wenig Fußgänger. Dies ist wahrscheinlich nicht verwunderlich, da diese Stelle von Kindern, von alten Menschen und von Leuten, die nicht gut zu Fuß sind, wegen der großen Verkehrsdichte gemieden wird. Nach diesen Kriterien wird die geforderte Fußgängerfrequenz unter den bestehenden Bedingungen wohl kaum erreicht werden. Im Herbst 2008 hat sich Lage gegenüber der vorangegangenen Verkehrsschau deutlich verschärft, denn das Seniorenzentrum ist komplett belegt und der Verbindungsweg Oberdorf-Seniorenzentrum-Unterdorf hat sich eingebürgert, dies bedeutet ein deutlich erhöhtes Fußgängervolumen. In den Abendstunden ist die Situation besonders schlimm, denn die Querung liegt im Kurvenbereich, der Fußgänger muss sich von der nördlichen Seite kommend, im dunkelsten Bereich zwischen 2 ohnehin nicht sehr hellen Straßenlampen aufstellen und wird auch daher von den Autofahrern kaum wahrgenommen. Es ist dringend notwenig, zumindest einen Fußgängerüberweg kombiniert mit einer ausreichenden Ausleuchtung einzurichten. Dies war im Bereich des neu erstellten Kreisverkehrs in der Bahnhofstraße möglich. Hier werden ebenso keine ausreichenden Fußgängerströme erreicht bzw. wurden sie wohl auch nicht ermittelt. Das Argument, es handele sich hier um einen Schulweg, kann auch nicht als Grundlage genannt werden, denn in der Lindenstraße handelt es sich zumindest um einen „Kindergartenweg“ zum Kindergarten Hanflandweg – von den oben erwähnten alten Menschen gar nicht zu sprechen, auf die genauso Rücksicht zu nehmen ist. Übrigens wurde auf die Situation bereits mit einem Leserbrief in der Nürtinger Zeitung vom 22.12.2007 hingewiesen. Bereits damals ging ein Appell ans Landratsamt Esslingen - vielleicht hat jetzt der Vorstoss der FWV-Fraktion in der Gemeinderatssitzung vom 10. November Erfolg! Hier der Leserbrief im Wortlaut:

Im Laufe der vergangenen Woche (z.B. am 14.12.07 „Ludwigsburger Ehepaar bei Unfall getötet“) war in der NZ wiederholt die Rede von schweren Unfällen mit vorwiegend älteren Fußgängerinnen und Fußgängern. Dabei musste ich an die Situation vor unserem neuen Seniorenzentrum „Im Dorf“ in Bempflingen denken. Die Verkehrsbehörde beim Landratsamt hatte bei einem Vororttermin zwar zugestanden, dass die Anzahl der Fahrzeuge wohl eine Fußgängerfurt rechtfertigen würde – die Zahl der querenden Fußgänger aber nicht! Dies ist aus meiner Sicht nicht wirklich nachvollziehbar. Man beruft sich auf Richtwerte für Fußgänger- und Fahrzeugfrequenz, die eine Fußgängerfurt erforderlich machen. Wie sollen aber nach Ansicht der Verkehrsexperten die alten Menschen über die Straße kommen, die gegenüber zum Bäcker, in die Apotheke, zum Zahnarzt oder zum Drogeriemarkt möchten? Neulich versuchte ich einer alten Dame behilflich zu sein, die mit einem Rollator zurück ins Seniorenzentrum wollte. Wir mussten, bedingt durch die Behinderung der Dame, abwarten, bis sich aus beiden Richtungen kein Fahrzeug näherte. Dies dauerte ca. 5 Minuten. Ein jüngerer Mensch, der reaktionsschnell und flink ist, kann kurz über die Straße springen. Jemand Langsames hat schlechte Karten! Die andere Gruppe sind Kindergartenkinder. Bedingt durch die neu entstandene fußläufige Querverbindung zwischen Lindenstraße und Hanflandweg queren viele Kinder gegenüber dem Seniorenzentrum die Kreisstraße. Auch sie können die Geschwindigkeit der Fahrzeuge kaum richtig einschätzen und warten, bis kein Auto in beiden Richtungen in Sicht ist. Dies kann dann ebenso lang dauern wie bei oben erwähnter Seniorin. Fazit: Gibt man allen Fußgängern die Chance, halbwegs sicher über die Lindenstraße zu kommen, gehen auch mehr und die Zahlen für die Verkehrsbehörde stimmen. Mein Appell geht ans Landratsamt, die einmal gefällte Entscheidung zu überdenken. Eva Voss

Eva Voss

 

Kommentare

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Auch zum Thema Fußgängerüberweg

Auch ich finde es etwas interessant, dass nun auf einmal gemerkt wird, wie brisant dieses Thema ist. Wie bekannt ist, habe ich mehr als einmal in der Bürgerfragestunde, dieses Thema angesprochen und in der letzten Fleckarätsch darüber geschrieben. Nachdem nun auch die Presse, auf gut schwäbisch gesagt, “krottabroit“, darüber berichtet hat, hoffe auch ich auf eine schnelle Lösung.

Autor: Willi Auch-Schwelk, Datum: 16.11.2008, 22:42 Uhr


Fußgängerüberweg

Es ist schon interessant und läßt einige Spekulationen aufkommen über das Verhältnis Gemeinderat zu Gemeindeverwaltung, wenn sogar die Mehrheitsfraktion im Gemeinderat, die FWV, zum Mittel des "offenen Briefes" greift, um der Durchsetzung eines ernsten Problems mehr Chancen zur Durchsetzung zu verleihen. Ich hoffe nur, daß diese Gefahr schnellstens beseitigt werden kann!

Autor: Manfred Schenk, Datum: 13.11.2008, 17:15 Uhr